OSTSEEZEITUNG – 1.9.2008

Leichte Klassik kam gut an

Beste Unterhaltung erlebten am Wochenende an die 600 Besucher der Darß-Classic-Nights. An zwei Abenden gab es leichte Kost.

Prerow – Es stimmte einfach alles. Beste Unterhaltung erlebten die Besucher der diesjährigen Darß-Classics-Nights am vergangenen Wochenende im Prerower Hafen. Erstmals trat die in St. Petersburg beheimatete Russische Kammerphilharmonie unter der Leitung ihres Dirigenten Juri Gilbo während des zweitägigen Sommerhöhepunktes auf. Fabelhaftes Wetter und kulinarische Köstlichkeiten sorgten für ein stimmiges Ambiente der beiden klangvollen und leicht bekömmlichen Konzertabende.

Mit einer Italienischen Nacht begeisterte der aus ehemaligen Absolventen des Rimsky-Korsakov-Konservatoriums bestehende Klangkörper die zugeströmten Zuhörer. Die ursprünglich aufgestellten Stuhlreihen mussten dank der großen Nachfrage erweitert werden. Die Sopranistin Barbara Cramm und der Tenor Alex Wawiloff* begeisterten als Solisten und als gekonnt mit dem Publikum flitterndes Duo.

Kein Wunder. Der ausgewählte Querschnitt aus den bekanntesten Opern Rossinis, Puccinis, oder Verdis riss mit. Denn als bekannte und beliebte Ohrwürmer fand das abendliche Repertoire viel Anklang.

Hinreißend gelang Barbara Cramm die anspruchsvolle Arie »O liebes Väterchen höre« aus Giacomo Puccinis »Gianni Schicchi« während Alex Wawiloff den Duca mit seinem »Ach, wie so trügerisch sind die Frauen« mit erfrischender Leichtigkeit aus Guiseppe Verdis »Rigoletto« gab. Ein wunderbares Abendrot, für das nicht Wenige den Blick über die Schulter wagten, krönte den dargebotenen Ohrenschmaus.

Ganz im Zeichen der Streicher und des Violinsten Michel Gershwin stand der Samstagabend. Gelassen nahmen die Gäste die einstündige und auf Bitten der Musiker angesetzte Verschiebung des Konzertbeginns hin. Hinreichend entschädigt wurden sie dafür mit dem »Sommer« aus Antonio Vivaldi Zyklus »Die vier Jahreszeiten«, Alfred Schnittkes »Suiten im alten Stil« für Violine und Orchester, zwei instrumental dargebotenes Musicalhäppchen aus Leonard Bernsteins »West Side Story«, etwas Klezmer aus Bocks »Anatevka«, Andersons »The Walzing Cat« und »Fiddle Faddle« sowie den gefälligen Tangos »Oblivion und Adios Nonino« des argentinischen Bandeonisten Astor Piazzollas.

Mit publikumswirksamen Bogenstrich erspielte sich Michel Gershwin während seines fast gänzlich vom Blatt spielenden Auftrittes die Gunst der Anwesenden. Nach der Fantasie »Porgy und Bess« für Violine und Orchester seines Namensvetters George Gershwin sorgten er und die Russische Kammerphilharmonie zum Ausklang für zwei im Ohr bleibende Zugaben unter einem prächtigen Sternenhimmel. Übrigens: Im nächsten Jahr gastiert die Kammerphilharmonie Leipzig bei den Darß-Classic-Nights. Die bekannten Peer Gynt-Suiten und das Klavierkonzert in a-Moll des norwegischen Komponisten Edvard Grieg sowie klangvolle Werke der Barockzeit stehen auf dem Programm.

UWE ROSSNER

 

*der Tenor heißt Pablo Cameselle (d.Red.)